Stadtplanung für Fortgeschrittene

MonumentalIm letzten Winkel vom Park Gleisdreieck befindet sich ein kleines Juwel Berliner Stadtentwicklung, ein überdachter Basket- bzw. Streetballplatz, seitlich flankiert von Zuschauerrängen nachempfundenen Podesten aus massivem Holz und durch die Monumentenbrücke im Sommer schön schattig und im Winter vor Regen und Schnee geschützt. Leider hat sich da noch keine Crew Halbstarker breitgemacht, die eins zum Duell herausfordern könnte und der Tanztruppe aus älteren Damen und Herren, die im Sommer noch sonntäglich zu Walzerklängen aus dem stilechtem Ghettoblaster über den Asphalt tobten, ist es aktuell wohl noch zu kalt, um die neue Tanzsaison einzuläuten (falls alle durch den Winter gekommen sind und/oder Nachwuchs rekrutiert werden konnte).

Und so empfinde ich diesen zwei Minuten zu Fuss entfernten, stets freien Platz, diese Möglichkeit zur sportiven Selbstfindung, als ein Geschenk zur richtigen Zeit am richtigen Ort, denn es ist schön, wenn es einem in gewissen Phasen des Lebens erleichtert wird, sich nicht grundlegend verwahrlosen zu lassen. Und so bleibt die Hoffnung, dass die Stadt auch weiterhin ein glückliches Händchen beweist, wenn es darum geht Brachflächen mit gegebenen Park- und Grünflächen zu verknüpfen, weiter denkt und sich nicht zufrieden damit gibt, dass es zwischenzeitlich auch Lob für bereits umgesetztes gibt. Immer nur Fallschutzböden für die Kleinen zu verlegen ist auf Dauer nicht innovativ genug, denn Kinder werden erwachsen und bleiben dann doch Kinder. Vielleicht werden die Anbieter von EU-Norm-geprüften Weichböden für Spielplätze sich künftig auch mit weich ausgelegten Rampen- und Pipe-Anlagen für skatende Senioren beschäftigen (wenn sie es nicht schon lange tun).

So lange warte ich im letzten Winkel des Park Gleisdreiecks auf die ersten ernstzunehmenden Herausforderer im Streetball. Ich weiss, sie werden kommen.

 

(JF)

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