Warum die Bravo Bar so heißt wie sie heißt

Zuletzt hat mir mal wieder ein sogenannter Stammgast erklärt, warum die Bravo Bar so heißt wie sie eben heißt. Es war witzig, aber entsprach leider nicht der Wahrheit. Es war nämlich so:

Wir waren damals sechs. Erstaunlicherweise hatten wir nicht all zu lange suchen müssen. Die Location in der Torstrasse war so gut wie unter Dach und Fach. Ein paar Formalitäten noch und es konnte losgehen. Die Torstrasse war mittig. Die Räumlichkeiten überschaubar. Die Visionen und Träume groß. Wir hatten bereits diverse Male über einen Namen für unsere Bar gesprochen, aber wie das bei sechs weißen Männern mittleren Alters nunmal so ist, wurde erst gestritten, dann Listen angelegt, dann wieder gestritten und eine Entscheidung vertagt. Zwischendurch war immer mal wieder einer tief beleidigt, weil sein vermeintlich absolut genialer und euphorisch vorgebrachter Vorschlag keine Zustimmung fand. Ich kann mich leider beim besten Willen an keinen der in die Runde geworfenen Namen mehr erinnern. Aber es war zu keinem Zeitpunkt einer dabei, der auch nur ansatzweise das Potential hatte, Zustimmung bei uns allen zu finden.

Wir hatten damals im 103 auf der Kastanienallee diese Art von Stammtisch. Immer dienstags und meistens sehr ausufernd und lang. Dort entstand die Idee einer Bar. Dort wurden alle wichtigen Entscheidungen getroffen. Es war eine Art Ersatz für den Verlust des Ortes, an dem wir uns ursprünglich alle begegnet waren, dem Rodeo Club.

Eines Dienstagabends saßen wir zusammen und waren mal wieder daran gescheitert, dass Thema Namensgebung in eine Richtung zu führen, die Erfolg versprechen könnte. Um wahrscheinlich deeskalativ auf die Runde einzuwirken, wechselte Christian spontan das Thema und fragte, ob alle damit einverstanden wären, wenn wir als Menü-Tafel ein schwarzes Letter Board mit weißen Buchstaben nehmen, er hätte so eine mal gesehen, das fand er gut. In einer Bar in Stuttgart, parallel zur Königsstrasse Richtung Hauptbahnhof. Er fragte mich, ob ich die vielleicht kennen würde und ich antwortete ihm: „Meinst du vielleicht das Charly Bravo?“. Der einzige Laden, auf den die Beschreibung zutraf und der zudem auch irgendwie zu Christian passte. Dieser rief zustimmend „Ja, genau“ und Ole meine ganz trocken und sachlich: „Bravo klingt doch ganz geil!“. Daraufhin sagte Philipp leicht fragend: „Bravo Bar?“ und das war es dann eigentlich. Wir haben zwar dann alle noch einmal drüber geschlafen, aber jeder wusste diesen Moment der Einigkeit zu schätzen und war froh, dass die Namensfindung abgeschlossen war und wir uns jetzt über Gestaltung von Rückbuffet und Tresen, Standort des DJ-Pultes und Errichtung einer Toilettenlandschaft streiten konnten.

Der rot leuchtende Neonschriftzug an der Decke dagegen war eine recht schnell beschlossene Sache. „Hier, wo du strahlst“ heißt einer der Songs von dem wunderbaren, 2009 erschienen Album „Vom Feuer der Gaben“ der Berliner Band Klez.e und passte von Anfang an.

(Johannes Finke)

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