Warum das

Zum Auftakt, November 2014

Wir sind ja eigentlich immer alle auf der Suche. Unnötig die Bandbreite der Spielarten des Vorgangs oder Gesuchtes in Genres zu listen und aufzuzählen. Doch zumindest lässt sich behaupten, dass es sich dabei oftmals um eine Suche nach etwas handelt, dass wir hier mal ganz lax als Zuhause bezeichnen könnten. Zumeist ein uns in Atmosphäre und Vertrautheit wohlgesonnener Ort, der es vermag einen Zustand von Glück zu verantworten. Und halleluja haben wir mittlerweile viele davon. Jeglichem Umstand, Zustand und Notstand entsprechend. Soziale Netzwerke, special interest, Sex, Karriere, Hobby, Leidenschaft, Kochen, Bürgerwehr, Yogaboxen oder Dinner-Hopping: Wir finden zueinander. Dieser Wahnsinn called Zwischenmenschlichkeit. Es enstehen Gruppen. Es werden Gruppen gesucht. Digital und Analog. Anonym und Frontal. Oder im Haus am See. Ein loser Zusammenschluss. Erstmal nicht mehr. Zu wahrscheinlich und unausweichlich sind Schnittmengen und Gemeinsame Vergangenheiten, Geschichten und Freundschaften inklusive. In diesem Fall ist der Ort das Netz und die Verortung die Stadt, Berlin. Egal ob Moabit oder Kreuzberg. Egal ob zugezogen oder eingeboren. Egal ob Mitte.

downbyberlin hat keine Zielgruppe und sucht keine eben solche. Warum auch. Wir definieren ja nicht einmal diese nach publizistischem Aktionismus wirkende digitale Kommunikationsplattform, gebaut auf Wissen, Technik und Erfahrung mit Blogs, Fanzines, Magazinen und natürlich entsprungen dem Umstand Berlin. Das kann ein Bindemittel für Interessensschnittmengen oder auch für zwischenmenschliche Vertiefungen sein. Eine nicht für existenzsichernde Mehrwertgenerierung initiierte Gruppendynamik, um zu allererst uns selbst und gegenseitig up to date zu halten. Aber vielleicht wird das ja bald eine Agentur für Kommunikation und Kita-Design. Oder eine Filmproduktion. Oder ein Karriere-Netzwerk. Oder eine Zelle im bewaffneten Widerstand. Wir wissen es nicht. Wir haben keine Ahnung wo es hin geht. Unsere Absicht ist nicht Wachstum oder das Vernetzen des Vernetzen wegens. Vielleicht stellen wir beim nächsten Red Bull-Tauziehen oder dem Borgmann-Cup ein Team. Oder stellen die Security für den kommenden Slutwalk. Vielleicht stellen wir auch mal steile Thesen auf. Oder stellen die Uhren jetzt einfach auf 5 vor 12. Aber egal, die sozial- und systemkritisichen Komponenten sind an dieser Stelle nicht vorgesehen. Weder die Larmoyanz und die real-existierende Bereitschaft zur vollständigen Aufgabe. Noch die Wut, der Hass und die Traurigkeit. Hier geht es erst einmal um Selbstverständnis.

Also, zurück auf Start: Warum das alles hier? Keiner braucht noch mehr Blogs und Magazine. Noch mehr Pflichtquellen für die persönliche Meinungsbildung und Konsumplanung. Noch mehr YouTube-Channels mit Beauty-Tipps oder noch mehr redaktionelle Karrierenetzwerke, Fashion- und Foodblogs oder Printmagazine für Männer mit Hang zu Fleisch und Grillsport. Wir brauchen das alles nicht. Nicht wirklich. Aber wir wollen es. Und wie eins das in Berlin so schön sagt: Und das ist auch gut so. Denn es gibt natürliche Gründe dafür. Das ist diese Vielfalt. Der wahre Exzess. Die Unbändigkeit von Einzelinteressen als moralischer Chronisten-Chor. Der selbst-generiertes Auftrag als mythisches Verklärungsmoment. Und deshalb gibt es downbyberlin. Got it? Und natürlich für die Einladung zu den Lead-Awards. Denn dann hat eins es geschafft.