Trinity pres.: Chinese Man @ Kesselhaus

Chinese Man haben erst relativ spät meinen Weg gekreuzt. Einer dieser Momente, in denen man sich fragt, wie DAS an einem vorbeigehen konnte. Ein wenig stören tu ich mich an der Genre-Einordnung HipHop. Diese nehmen das französische Trio auch selbst vor. Dabei ist ihre Musik so viel mehr, als das, was man mit einem Genre-Begriff assoziieren könnte!

Französischer Rap, evtl sogar französische Musik im Allgemeinen, ist recht leicht auszumachen. Ähnlich französischen Filmen ist die Handschrift meist zu signifikant, um die Herkunft nicht zumindest zu erahnen: Chinese Man heben sich widerum von der französischen Hip-Hop-Szene ab. Zé Mateo, Sly und High Ku sind z.B. nicht trendorientiert. Beispiel: keine Spur von Afro-Trap, den Landsmann MHD hervorbrachte. Ebenso such man vergeblich nach Fußballtrikots und dicken Karren. Stattdessen findet man vielfältige Einflüsse aus Weltmusik, Jazz und fernöstlicher Philosophie. Mit ihren Samples, Soundschnipseln und rohen Kopfnicker-Beats erschaffen sie eine Klangästhetik irgendwo zwischen Orchester, Dancefloor und Filmmusik. Die kreative Risikofreude ist bei Chinese Man kein Zufall: „Hip Hop ist so viel besser, wenn man die dummen Rap-Klischees beiseitelässt und künstlerische Risiken eingeht.“!

Chinese Man starteten ihre Reise 2004 in Marseille als Kollektiv, Crew und Label- 2005 erschien dann die erste EP „The Pandi Groove“. Gefühlt hatten die Jungs entweder schon echt viele Songe gebunkert oder haben einfach einen ungeheure Output. Es ging nämlich Schlag auf Schlag weiter: 2006 folgten mit „The Indi Groove“ und „The Bunni Groove“ zwei weitere Veröffentlichungen. Einer größeren Öffentlichkeit wurde das Trio 2008 bekannt, als ein schwäbischer Autohersteller mit Stern den Song „I’ve Got That Tune“ für eine große Werbekampagne verwendete. Tatsächlich verging kein Jahr, außer 2016, in dem nicht mindestens eine EP und/oder LP veröffentlicht wurde!

Beweise?! OK! 2008 erschien mit „The Groove Sessions Vol. 1“ auch ihr erster Langspieler, gefolgt von „The Groove Sessions Vol. 2“ im Jahr 2009 und 2014 „The Groove Session Vol.3“. Nach weiteren EPs, Alben und Labelsamplern mit befreundeten Künstlern erschien 2017 ihr bisher letztes Album „Shikantaza“, das den Weg zur musikalischen Erkenntnis konsequent weiter geht und ein weiteres Mal unterstreicht, wie einzigartig das Schaffen dieser Ausnahmetalente ist.

Gesampled wird alles,aber auch wirklich alles, was die Plattenkiste hergibt. Assoziationen mit Beatbastlern wie Doktor Flake kommen auf, der Sound ist dann aber doch ein anderer. Zudem verweigern sie sich der digitalen Herangehensweise moderner Musik, denn sie arbeiten ausschließlich mit Vinyl als Klangquelle, weil es so schön knistert, klackert und kratzt. Sympathisch!

Bei ihren Liveshows kommen neben beeindruckenden Visuals, einer überragenden Lichtshow und Gast-Rappern auch gerne mal Streicher zum Einsatz. Den Rahmen für ihren diesjährigen Auftritt haben sie kleiner gesetzt, da heißt es: Race with the Sun and get a Ticket!

28.6., Chinese Man, Kesselhaus, Einlass 19Uhr, Beginn 20Uhr

Alle Infos und Tickets findet ihr hier und da

 

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