Gretchen pres Appetite: The Gaslamp Killer & DJ Krush

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Für all die, die am Donnerstag und Freitag später bzw. im Idealfall garnicht aufstehen müssen, hat das Gretchen im Zuge der Appetite-Reihe zur Abwechslung mal wieder ein paar Schmankerl für euch im Gepäck…los gehts mit The Gaslamp Killer:

Mit The Gaslamp Killer begrüßen wir den Resident der Maßstäbe setzenden Low End Theory-Partys in Los Angeles. Sitar-Samples, Funk-Breaks und scheppernder, beunruhigender Gesang sind mitunter die Zutaten, aus denen er schöpft und daraus atemberaubende Soundcollagen klebt. Das ergibt dann Hip Hop, Instrumental, Horrorcore, Trip Hop oder irgendwas dazwischen. SciFi-Jazz oder einfach nur Psychedelic – die Style-Begriffe, die William Benjamin Bensussen aka The Gaslamp Killer anhaften, sind vielfältig.  „Instrumental psych dirty beats“ nennt er selbst die obskure Mischung aus Alt und Neu, Bekannt und Unbekannt, die er seit 2006 zusammenschraubt. Im Jahre 2009 landete er auf Flying Lotus‘ Label Brainfeeder und releaste dort die limitierte 10″ „My Troubled Mind“, die 5-Track-EP „Death Gate“, die MP3-Single „Flange Face / Seven Years Of Bad Luck for Fun“ sowie die Mix-CD „A Decade Of Flying Lotus“. Sein Debüt-Album „Breakthrough“ führt durch den musikalischen Kosmos des Ausnahmekünstlers und ist eine Manifestation des Wahnsinns. Man fühlt sich an das Erstlingswerk von DJ Shadow „Endtroducing“ vor 18 Jahren erinnert. Ähnlich wie Shadow jongliert The Gaslamp Killer mit Samples, vor allem Breakbeats aus den 70er Jahren. Manchmal nimmt er aber auch nur ein altes Afro-Funk-Instrumental und lässt neben zahlreichen Gästen auch den Hip-Hop-Kollegen „Gonjasufi“ seine verzerrten Klagegesänge darüber singen. Über das ganze Album zieht sich ein Klanggewitter aus Noise und Scratches, das von den holprigen Breakbeats zusammengehalten und immer wieder durch zarte Streicher ergänzt wird. Seine zweite LP „The Gaslamp Killer Experience“ ist im April 2015 erschienen. Die Aufnahme des ausverkauften Konzertes fand am 7. November 2014 im Mayan Theatre statt, nur kurz nach The Gaslamp Killer’s beinahe tödlichem Unfall und gegen den ausdrücklichen Rat seines Arztes, seiner Familie und seiner Freunde. Auf der Bühne standen 15 talentierte Musiker, die vom Killer dirigiert wurden – darunter Streicher, Bläser und Gitarristen. Die Tracks des Kaliforniers sind dank seines geschickten Spiels mit verschiedenen Klängen, Instrumentalisierungen und Genres ein Erlebnis. Seine DJ-Sets sind unberechenbar, von Soul und Funk über Dubstep zu den rockigsten Beats, die man sich vorstellen kann. Das Biest aus purer Energie an den Plattentellern sorgt beim Publikum regelmäßig für Euphorieausbrüche. Um ein angemessenes Rahmenprogramm kümmern sich heute Soulmind und LeBob.

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Wem das nicht zusagt oder wem das gar nicht genügt, der kann sich bereits einen Tag später mit DJ Krush trösten…kein schwacher Trost! Almosen sehen ganz anders aus:

Inspiriert, fasziniert und motiviert vom legendären „Wild Style“ Film aus dem Jahre 1983, gewann der Japaner Hideaki Ishii aka DJ Krush einige DJ Contests in den Clubs von Tokio, ehe er 1987 die vielleicht beste japanische Hip Hop Crew „Krush Posse“ gründete und dort als Backup DJ fungierte. Seit 1992 kümmert er sich um Soloprojekte und veröffentlichte 1994 sein Debütalbum „Krush“. Sein zweites Soloalbum „Strictly Turntablized“ erschien auf dem Londoner Mo Wax Label und landete in den Indie Charts des renommierten NME. Das Label aus London war damals das Ding der Stunde und stand wie kein anderes für düstere verrauchte Hip Hop Beats und jazzige Samples. Neben Labelkollege DJ Shadow wurde er 1995 als Godfather des Trip Hop gehyped und gilt als einer der Vorreiter des Turntablism. Seine Musik beschreibt er als Samuraischwert, in dessen Klingen sich die verschieden Aspekte des Lebens widerspiegeln. Seine Samples stammen noch immer aus traditioneller japanischer Musik und Kung Fu Movies. Die optisch-visuellen Elemente und die Instrumentierung seines Sounds, der von Album zu Album immer minimalistischer und atmosphärischer zu werden scheint, stimulieren die Phantasie seiner Zuhörer und können weitaus verführerischer und einvernehmender sein als Worte. Der Stil von DJ Krush lässt sich in keine Schublade schieben, da er auf jedem Album seinem Sound eine andere Note gibt. Allein seine japanische Herkunft vergisst er dabei offenbar niemals: die klassischen japanischen Melodien sind in seinen Tracks immer mindestens so präsent wie Einflüsse aus Jazz und Soul. Mit „Butterfly Effect“ erschien nach über 10 Jahren das lange erwartete neue Album von DJ Krush, womit er mehrere Monate um den ganzen Globus tourt und nun auch bei uns zu Gast ist. Das aktuelle Werk knüpft schlüssig an die Tradition seines abstrakten, elektronisch geprägten Hip Hop an. Seine Produktionen klingen wie erweiterte DJ-Sets, während man bei seinen DJ-Auftritten noch immer das Gefühl hat, bei ihm im Studio zu stehen und eher einem Chirurgen bei der Arbeit über die Schulter zu schauen als einem Musiker. Er ist als der Turntable-Magier bekannt, einerseits wegen seiner wahnsinnigen Club-DJ-Sets, die die Gäste regelmäßig mit offenem Mund staunen lassen, und andererseits wegen seiner Live-Performances, während denen er die zwei Plattenspieler und das Mischpult wie live gespielte Instrumente benutzt und deren soundmäßige Möglichkeiten bis zum Letzten ausschöpft.

10.3., The Gaslamp Killer, Gretchen, 23.30Uhr

11.3., DJ Krush, Gretchen, 23.30 Uhr

Mehr Infos zu beiden Events findet ihr hier

(YB)

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