Gladiatoren der Moderne

Kreuzberg. Im alten Rom nannte man das noch Gladiatorenkampf. Die Bilder, die uns dazu einfallen, liefern uns heute regelmäßig Hollywood und Computerspiele. Nichts von Asterix-Romantik. Diese vergangene Wirklichkeit war mit Sicherheit noch brutaler und menschenverachtender, als jegliche Hochglanzästhetik und Slow- und Emotion. Es ging immer um Leben oder Tod bzw. um Tod oder Freiheit bzw. um in der Gegenwart anzukommen, es geht um Ruhm, um „Fame“. Daher sicher auch die heutige Nähe von Hip-Hop- und Gangsterkultur zum neuzeitlichen, postmordernen Derivat, den Mixed Martial Arts. Hier geht es tatsächlich etwas archaischer und testosterongeladener zu, als auf einem Helene Fischer-Konzert. Letzteres ist, so wie das Hulk-Hogan-Wrestling, eine Inszenierung mit dem hochehrenwerten Ziel zu entertainen, eine Show. Mixed Martial Arts lebt von durchdringender Realität und unmittelbarer Anwesenheit von Gewalt. Unbestritten natürlich, dass das Publikum hier sich mehrheitlich mehr an konservativen Werten orientiert, jedoch auch zeigt, dass der Straße die Nationalität und die Herkunft egal sind.

Letzten Samstag kamen zwei dutzend Athleten mit ihren Teams ins Berliner Tempodrom, um sich im achteckigen Käfig, dem Oktagon, ihren Fame zu holen und um sich harte Euros zu verdienen. Mittlerweile strömt das Publikum in Scharen, um sich das Spektakel anzuschauen, um etwas von der Härte, der Kraft und der vornehmlich positiven Aggression mitzunehmen, wenn die Stellvertreter der Gewalt sich im Kampf beweisen und zeigen, wieviel Schmerz Mann und Frau auszuhalten im Stande sind. Ja, richtig gehört, der Highlight des Abends war der Kampf zweier Frauen: Im letzten Fight des Abends schenkten sich Camilla Hinze, eigens aus Dänemark angereist, und Katharina Lehner aus Köln, rein gar nichts. Das war Spektakel und Zeitgeist. Bis zum nächsten Mal. Bestimmt. Einfach mal die Bilder wirken lassen und sich fragen, was Körper und Geist so fragen.

 

Text/Foto: Hammed Khamis

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