Fat Freddy´s Drop @ Citadel Music Festival

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Neuseeland. Bekannt für weite, malerische Landschaften, Herr der Ringe, Maori…wieso aber nicht für Fat Freddy´s Drop?! Musik aus Down Under und/oder eben dem direkten Nachbarn, zählt in Europa scheinbar nicht viel. Klingt richtig, stimmt jedoch nur halb: sämtliche der letzten berliner Auftritte waren bereits Monate vorher ausverkauft. Es gibt sie also doch, die europäische Fangemeinde…und sie scheint massiv!

Wie kommt es also, dass die 7-köpfige Kombo aus Wellington hierzulande dennoch als Geheimtipp gilt? Nun, ich vermute einen perfiden Plan eben dieser Anhängerschaft: sie wollen die Band für sich haben! Das kann an purer Missgunst liegen oder aber an einem pragmatischeren Grund. Denn bereits häufig ließ sich beobachten, dass die Live-Performances von Band unter zu hoher Bekanntheit litten. Sei es durch nachlassende Ambition seitens der Musiker oder aber einen Bruch in der Publikumsstimmung, bedingt u.a. durch Überfüllung. Beides tödlich!

Tödlich erst recht für eine Band, deren Geschichte und musikalischer Output eben aus Liveauftritten und ihrer immensen Qualität keimten. Ihr ahnt es, es folgt ein kurzer Abriss der Bandhistorie:

Die Geschichte beginnt irgendwann Mitte der 90er an der hochangesehenen Wellington Jazz School, an der sich auch Bands, wie die Black Seeds fanden, für die Toby Laing (Trompeter) ebenfalls spielt. Sowieso ist er nicht das einzige Bandmitglied, das sich in Nebenprojekten engagiert. Die Fat Freddy´s Drop-Mitglieder haben jedoch gemeinsame Konstanten: Alle sind sie in Wellington aufgewachsen, allen bedienen sich in ihrem Schaffen verschiedensten Musikrichtungen und alle essen gern. Iain Gordon (Keyboarder, „Dobie Blaze“) bekocht die Truppe regelmäßig. DJ Fitchie (Bandleader) bringt es auf den Punkt: Wer gemeinsam isst, bleibt auch sonst zusammen.“. Die erwähnten verschiedenen Musikrichtungen von Funk&HipHop, über Jazz, bis zu Dub&Reggae finden sich natürlich auch in ihrer Musik wieder und werden in ihren Live-Shows spontan arrangiert. Ihre erste EP „Live at the Matterhorn“ (2001) war lediglich der Mitschnitt einer ihrer Jamsessions. Verkaufzahlen von über 11000 Stück, lediglich durch Mundpropaganda, sprechen für sich! Im Endeffekt sind die meisten ihrer  Songs live, im gemeinsamen Spiel von Vollblutmusikern entstanden und wurden lediglich im Nachhinein im Studio verfeinert und aufgenommen. Das Studio befindet sich sympathischerweise noch in Fitchies Haus, welches ebenfalls der Sitz ihres gemeinsamen Labels The Drop ist. Mit ihrem Album „Bays“ (2015) durchbrachen sie das Handlungsschema erstmals, widmeten sich abseits der Bühnen dem kreieren von Songs und nahmen diese in ihrem neuen Studio auf.

Nennenswert überschritten Fat Freddy´s Drop die Grenzen ihrer Heimat 2005 mit dem Release von „Based on a true Story“. Bereits am Veröffentlichungstag erreichte das Album Goldstatus in Neuseeland, 2 Wochen später Platin….

Es gäbe noch Einiges zu erzählen: von den unzähligen Auszeichnungen, die sowohl die Band, als auch ihre einzelnen Mitglieder gewannen. Von den beiden weiteren Alben „Dr. Boondigga & The Big BW“(2009) und „Blackbird“(2013), die, wohl dank des Qualitätsanspruchs, im Abstand mehrerer Jahre erschienen. Von diversen mehr oder minder bedeutenden Anekdoten aus der Bandhistorie.

Auf all das verzichte ich, denn Folgendes dürfte durch die Eckdaten bereits deutlich geworden sein: was zunächst einleuchtend klingt, erlangt in Zeiten von Casting-Bands und imagebasierten Produkten eine völlig neue Relevanz – es handelt sich hier um eine echte Band, aus echten Musikern, mit Qualitätsanspruch, denen scheinbar das Musizieren, ob allein oder gemeinsam, ob im Studio oder Live auf der Bühne, wichtiger ist, als Image, Trends oder der große Erfolg. Oder, um es mit DJ Fitchies Worten zu sagen: Es gibt keinen Druck von außen, nur den selbstverständlichen Drang, sich weiter zu bewegen, zu entwickeln, zu verbessern und musikalisch etwas Neues zu schaffen…Ausrufezeichen ->!!!

Den Support spielen übrigens Jazzanova! Die sind ja für sich schon eine Instanz und kommen einfach mal als Sahenhaueb oben drauf. Man gönnt sich ja sonst nichts…

24.8., Fat Freddy´s Drop, Zitadelle, 19Uhr

Weitere Infos und Tickets findet ihr hier oder bei Facebook

(YB)

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