Deichkind

Deichkind 2015 04

Damals, in den 90ern (und die 90er sind das neue Ol´Skul!) und auch noch Anfang des Milleniums, gab es Beef. Durch Galileo musste ich übrigens lernen, dass das Wort Beef nicht mehr nur dem Rap-Jargon, sondern dem sog. Neu-Deutsch angehört. Doch das nur am Rande. Es gab auf jeden Fall Beef. Und zwar zwischen hamburger und berliner Rappern. Das führte dazu, dass man als Angehöriger der einen Stadt keinesfalls Rap der Protagonisten der anderen Stadt hören durfte, ohne diese als absolute Hamburgscheiße zu titulieren. Doch dann kam „Bambule“ von den Absoluten Beginnern. Konnte man nur feiern, auch in Berlin. Der Weg war also geebnet für eine qualitativ ebenfalls hochwertige Rap-Kombo namens Deichkind!

Achtung! Was jetzt folgt ist eine relativ trockene Faktendarstellung des bisherigen Bandverlaufs. Wer lieber einen, wie ich finde, sehr gelungenen Text, auf Hieronymus Bosch- oder Deichkind Live-Auftritt-Niveau lesen will, dem sei dieser hier ans Herz gelegt.

Nun kanns ja losgehen: Die Jungs sind sehr eigen. Zumindest, was Musik, Bühnenoutfit und –auftritt betrifft. Das endet dann nicht selten in Bierduschen fürs Publikum, Müllsäcke, mehr Lametta und Konfetti als MC Fitti jemals auftreiben könnte und in Bierfässern durch das Publikum fahrende Protagonisten mit Dreiecken auf dem Kopf. Vielversprechend wie ich finde. HipHop-Unüblich sowieso. Deichkind-Dadaismus!

Ihre erste Single „Bon Voyage“ von ihrem 2000er Debutalbum „Bitte ziehen sie durch“, ihrerseits dann doch noch recht hiphoppig, bestach durch Sound, Video und Ninas Brüste. Ab da an wurden die Singleauskopplungen und Alben deutlich elektronischer. Deichkind selbst nennt diesen Elektro-HipHop-Sound „Tech Hop“. Der Sound spaltete erstmals die bis dato entstandene Hörerschaft. Aber die Deichkinder blieben ihrer Entwicklung treu. Gut so. Die Innovation hält bis heute an. Die Fangemeinde war spätestens nach dem Erscheinen von „Aufstand im Schlaraffenland“ und der Single „remmidemmi“ nicht nur wiederhergestellt, sondern noch massiv gewachsen.  Von ihrem Innovationsreichtum könnten sich viele HipHop-Musiker hierzulande mal eine Scheibe abschneiden. Die Berliner sehr gerne auch. Nur um mal den alten Konflikt wieder etwas zu entzünden. Die Entwicklungsfähigkeit in Sachen Sound mag auch in der Bandhistorie begründet sein: da gab es diverse Personalumstrukturierungen. Manche leider auch aus äußerst unerfreulichem Anlass. So z.B. der Tod von Deichkindproduzent Sebi 2009. Seit 2008 ist wiederum ein anderes hamburger Urgestein mit den Deickindern verschmolzen: Ferris MC aka „Ferris Hilton“. Nachdem nach Sebis Tod die weitere Reise der Deichkinder ungewiss war und es tatsächlich musikalisch (musikalisch wohlgemerkt: 2010 feierte das Theaterstück „Deichkind in Müll- eine Diskurs-Operette“ Premiere in Hamburg erstmal ruhiger wurde, erschien 2012 „Befehl von ganz unten“. Da war „leider geil“ drauf. Das fanden die Leute leider so geil, dass man diese Floskel überall zu hören bekam. War dann auch Jugendwort des Jahres in Österreich. „Leider so geil“ weil ich die Jungs ja durchaus dazu beglückwünsche, dass sie es immer wieder mit Leichtigkeit meistern, Hooks oder Textpassagen einzubauen, die sich den Leuten einbrennen und Kultcharakter entwickeln. Aber dieses „leider geil“-Ding war irgendwann nur noch nervig. Können die Deichkinder aber Nichts für, muss man mal so raustellen. Vor kurzem Schlug dann die Single „so ne Musik“ ein. Knallte auch gut. Könnte wieder Kult werden. Wenn sie denn nicht durch eine andere Single des 2015 vor wenigen Tagen erschienenen Albums „Niveau Weshalb Warum“ des Thrones verwiesen wird.

So, genug Fakten. Die interessieren ja eh keinen, trotzdem manchmal schön, sie so gebündelt vor sich zu haben. Kein Dank notwendig!

Außerdem reichen die Fakten eh nicht aus, um das Phänomen Deichkind zu erfassen. Dafür müsste man die schon Live sehen. Auf einem Konzert z.B….wo man die zur Zeit überall findet, findet ihr hier heraus. Oder hier… Oder hier.

(YB)

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