Taubentreten. Eine Geschichte von Jonathan Löffelbein

An einem etwas zu warmen Februarmorgen, um 11 Uhr 24, ereignete es sich, dass H. begann, gut über 300 Tauben zu treten. Natürlich fragten sich die umstehenden Leute auf dem belebten und weitläufigen Marktplatz, was das zu bedeuten hatte. Warum da diese Person auf dem Marktplatz stand und mal sehr gezielt, geradezu bedacht, dann einfach nur wütend und trampelnd und stampfend Tauben zu treten suchte.

Kummeraugen. Ein Text von Caro Katz

Schön, dass du da bist, denke ich und lasse meinen Blick langsam seitlich über deine Konturen gleiten. Ich fühle mich leer. In mir drängt es alles aufzusaugen, jede winzige Kostbarkeit. Das sich unmittelbar in meiner Nähe befindende Gesicht mit allem, was darauf zu sehen möglich ist; die verlorenen roten Äderchen inmitten des schier endlosen Weiß der Augen. Oder der feine Flaum auf den Ohrmuscheln. Der Boden, auf dem wir eng in Decken gewickelt liegen ist hart und nicht unbequem.

Netzwerkstatus disconnected. Ein Text von Julia Knaß

Weinen ist für Lisa wie atmen, aber sie vergisst manchmal, zu essen und sie vergisst manchmal auch Sex, zb für fünf Jahre. Ihre Bedürfnisse schwanken über ihre Gefühle wie über eine morsche Hängebrücke bei Regenwetter. Alles verrutscht andauernd in ihr, alles verfällt und bevor sie es schafft, angemessen zu reagieren, und zb auszuweichen oder sich festzuhalten, befindet sie sich erneut im freien Fall. GAME OVER. REPEAT.

Isoliertes Wesen. Ein Text von Sonja Seidl

Ob er ein Vampir sei, fragte ich, ihn mit meinem Blick dabei verfolgend, wie er mit einer Papiertüte in der Hand vorbeiging, draußen. Ganz in Schwarz. Daran lag es aber nicht. Er begab sich auch ins Tageslicht mit einer Regelmäßigkeit, die daran zweifeln ließ, dass er vampirischen Wesens (Stoker zufolge macht Licht gar nicht so viel aus, es schwächt nur ein bisschen).

Caro Katz
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Reise ins Ausland. Ein Text von Caro Katz

Die Heizung pustet mir viel zu warme Luft ins Gesicht. Ich denke, ich müsste ersticken. Wie das Ding auszuschalten ist, erklärt sich mir nicht. Dann kommt der Einfall, den Kopf aus dem Fenster zu strecken. Ich tue es so gut es eben geht, um währenddessen nicht von der Fahrbahn ab zu geraten. Dabei gebe ich etwas mehr Gas, um mit der Maschine die auf der Fahrbahn schwirrenden Nebelschwalle in großen Löchern zu durchbrechen. Mein Kopf fliegt.