Alles über Desintegration, inklusive Lovesongs!

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Nach sieben Jahren erscheint morgen Desintegration, die neue Platte der Berliner Band Klez.e um Musiker, Produzent und Songwriter Tobias Siebert. Dem Albumtitel folgend löst die Band das Versprechen ein, sich an The Cure leicht anzulehnen, was Hall und Haare miteinschließt. Doch dieser eigentliche Prozess einer Auflehnung offenbart mit jedem neuen Song eine Schönheit, die sich von der Vergangenheit längst gelöst hat und eine eigenständige, musikalische Gegenwart manifestiert, die ihren ganz eigenen ästhetischen Bahnen folgt, krachend klar, spartanisch opulent, zurückhaltend fordernd und zärtlich umarmend.

Wer vor fünfundzwanzig Jahren The Cure mochte, wird sich mit diesem Album anfreunden können. Motivation und Motive sind zuweilen zeitlos. Doch innig lieben werden es vielleicht die, die The Cure mittlerweile wieder als Festival-Headliner oder von ihren Eltern kennen. Denn sie finden mit diesem Album etwas eigenes, das sie auf dem Weg aus dem Jetzt in eine Zukunft begleiten und ihnen zur Seite stehen kann, ohne dass die Vergangenheit wie eine Norm über ihnen schwebt.

Das Zerbrechliche, Fragile und Feine bildet die Basis für eine zuweilen schwere Tiefe, die sich nicht in Klangdepressionen verliert, sondern sich immer wieder fängt, die Hörer auffängt und ihnen ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.

Doch neben einer Emo-bewegten Adoleszenz ist es vielmehr Berlin, das auf diesem Album atmet, schreit und singt und auch all jene nach- und mitklingen läßt, die Spuren in dieser Stadt hinterlassen haben. David Bowie, Lou Reed, Nick Cave, die Scherben, die Neubauten und andere, jeweils zu und in ihrer Zeit. Dabei geht es nie um Historie, Nostalgie oder einen Referenzraum. Klez.e haben das nicht nötig. Es geht um den Geist. Und diese Band scheint ihn getroffen zu haben. Vielleicht sind es manchmal einfach sieben Jahre, die es braucht, um etwas auf eine Art und Weise in Klang, Takt und Wort zu fassen, die sich richtig anfühlt.

„Desintegration“ erscheint morgen, am 13.1.2017 bei Staatsakt.

Foto: Andreas Hornoff

(JF)

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